Tagebuch

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Sonntag, 18.06.
Nach fünf Stunden Schlaf, mehreren Tassen Kaffee, einem Liter Wasser und hämischen bzw. belustigten Kommentaren ob meines Aussehens, beginnt der Tag. Die meisten Teams sind weg, der Zeltplatz ist picobello ordentlich, auch wenn noch eine Hammondorgel rumsteht (scheint die Theke eines illegalen Pubs gewesen zu sein). Einige Verstreute haben offensichtlich durchgemacht und klappen endgültig zusammen, werden aber liebevoll in den Schatten gebracht und fürsorglich mit Sonnenöl eingecremt. Man fällt sich zum Abschied in die Arme, was besonders bei den letzten Argentiniern emotional verläuft. Pünktlich zum Abbaubeginn trudeln genügend Leute ein, auch die stämmigen Jungs der Firma Westermann sind wieder am Start, deren ausgetüftelte Gerüstkostruktionen unschätzbare Dienste geleistet hatten und denen man gar nicht genug danken kann, für das, was sie da in harter Arbeit hingestellt haben. Um Jörgs Firma muss man sich übrigens keine Sorgen machen, er konnte noch in der Nacht glaubhaft versichern, dass er aufgrund der BolzWM nicht pleite gehen würde. Die Devotionalien sind komplett ausverkauft, zum Schluss rissen sich alle um jegliche Accessoires, die am Infotisch rumlagen. Das Aufräumen und Abbauen geht zügig über die Bühne und ab morgen Mittag wird man nicht mehr erkennen können, dass auf den Waldauer Wiesen die großartigste BolzWM aller Zeiten stattgefunden hat. Auch der Platzwart leistet, wie die ganz Zeit über, tatkräftige Arbeit (bei ihm und seinen Kollegas hab ich mich noch gar nicht bedankt, das sei hiermit nachgeholt: Immer freundlich und hilfsbereit - Super!). Die Kiste mit den Fundsachen quillt über. Also Leute, wenn ihr Klamotten, Bälle, Handy oder vieles mehr vermissen solltet, kommt ins Büro und holt es euch ab. Überall wuselt es, wird gefegt. Stecker gezogen, Kabel zusammen gerollt, Zelte abgebaut (Dank auch an die Hessische Sportjugend für die Zelte und die Socceranlage - hoffentlich ist alles noch da). Um 17.00 Uhr kann ich nicht mehr, fahre schwer bepackt nach Hause und mache mein Versprechen, das ich als Ansteckbutton schon tagsüber propagiert habe wahr: Ich schlafe sofort sabbernd auf der Couch ein (bin allerdings nicht wie Homer Simpson nur mit Windel-ähnlicher Unterhose bekleidet, so viel Kontenance muss sein).
Tja, was soll man noch sagen? Es hat geklappt! Natürlich hatten wir vergessen, dass in Norddeutschland Fronleichnam kein Feiertag ist und deswegen einige Teams erst später kommen konnten bzw. Urlaub nehmen mussten. Es gab eine kurze Schlägerei im Anschluss an ein Spiel, was aber gütlich geklärt werden konnte. Das Kulturprogramm wurde teilweise nur unzureichend wahrgenommen, aber die Leute, die dann jeweils dabei waren, hatten ihren Spaß. Geklaut wurde auch, was im Einzelfall sehr ärgerlich, aber insgesamt nicht überbordend war. Das lässt sich wohl nicht verhindern. Vier Teams sind nicht angetreten (Leute, ihr habt echt was verpasst), aber insgesamt gab es keine Katastrophen, was in zehn Tagen mit relativ wenig Personal echt als Wunder bezeichnet werden muss. Das Feedback der TeilnehmerInnen war ausnahmslos positiv und wir geben die Blumen gerne zurück: Für euch, die Mannschaften aus aller Welt, diese bunte Mischung aus FreizeitkickerInnen, haben wir gerne monatelang gecheckt und in den letzten zehn Tagen Schlafmangel, Stress und ungesundes Leben auf uns genommen (bei eventuellen Herzinfarkten in den nächsten Tagen bzw. wenn nach der Abrechnung ein Insolvenzverwalter unser Büro übernimmt überdenken wir diese Position eventuell nochmal). Spontan wird wahrscheinlich niemand von uns sagen, er würde eine Veranstaltung dieser Größe nochmal organisieren wollen. Und vielleicht war diese zehn-tägige BolzWM auch die erste und letzte ihrer Art. Aber dafür, dass Hunderte von FreizeitkickerInnen aus aller Welt mit glücklichen Gesichtern in einer Atmosphäre spielte und feierte, wie man sie nur selten erleben darf, hat sich der Aufwand gelohnt. Ich selbst habe Einladungen nach England, Argentinien, Göttingen und Aachen bekommen (nicht zu vergessen die Einladung beim amtiertenden Bolzweltmeister mitzutrainieren). Keine Ahnung, wer wann wohin welche Einladungen ausgesprochen hat - es müssen unzählige gewesen sein. Internationalistische Freundschaft und Solidarität war auf dem Gelände die ganze Zeit spürbar und wurde von euch allen gelebt. Eine andere Welt ist möglich! Wir sehen uns hoffentlich zahlreich auf der nächsten WM, der Mondiali Antirazzisti in Montecchio Emilia/Italien im Juli wieder. Danke, Gracias, Thank You, Merci und Grazie an euch alle!
P.S.: Für den pathetischen Schluss habe ich mir hoffentlich ein „Du hast die Haare schön“ und wenn nicht, dann wenigstens ein „Mimose, oh oh“ verdient.

Samstag, 17.06
Da ich den Freitag Abend verpasst habe, befrage ich erstmal die durchgefeierten Frühauftseher, wie es denn so war. Super - die Band hat von Anfang an gerockt, das Zelt gebebt. Lagerfeuerlieder gab es auch. Altdynamo Achim Frenz sprach Lobeshymnen ob der BolzWM, die endlich mal wieder „sinnstiftend“ zeigen würde, wofür Dynamo Windrad stehen kann. Ausliegende Zeitungsberichte werden neugierig gelesenn, die Basken ordern gleich 30 Exemplare, weil sie mit Foto erwähnt sind. Ich verbringe den Vormittag mal wieder an der Spülmaschine, die ausnahmsweise funktioniert. Nach vier Stunden bekomme ich langsam schlechte Laune. Keine Ahnung, wie unser Spülheld Dimitri das tagelang aushielt. Ganz großer Respekt für unseren verlässlichen Tellerwäscher!
Meine Mannschaft gelang mit einem Remis der Einzug in die Gruppe der Vorletzten. Dank des Auftauchens unseres etatmäßigen Stürmers gelingt uns der erste Sieg mit 1:0. Damit spielen wir leider nicht gegen die ungemein sympathischen Soccer Sissies aus Wien. Diese hatten extra 5 Vorbereitungsspiele gegen den FC Rasta vor der WM gemacht, in denen sich gleich 6 Spieler verletzt hatten. In unserem allerletzten Spiel gegen Kolumbien, das kaum noch aus Kolumbianern bestand, gelingt dann die große Sensation. Nach feinem Zusammenspiel mit Rainer schieße ich das erste Tor in 10 Tagen. Um das Schicksal nicht weiter herauszufordern trete ich beim anschließenden Elfmeterschießen nicht an. Ich versuche nochmal bei Argentinien einzuspringen, bin aber sowas von platt, dass ich mich nach fünf Minuten auswechseln lasse und das Weite suche. Das Turnier nähert sich seinem Ende. Vor dem Halbfinale Partysahne gegen Baskenland briefe ich die Kasseler, sich als gute Gastgeber zu erweisen und unseren ausländischen GenossInnen den Titel des Bolzweltmeisters zu ermöglichen, was aber auf empörte Reaktionen stößt. Partysahne gewinnt und bestreitet mit Nordafrika ein reines Kasseler Finale. Kurz vor Anpfiff taucht Kalli Feldkamp auf und hält eine Ansprache für die Finalisten. Er kenne Dynamo Windrad zwar nicht, sei aber gekommen, weil die Verwandschaft darum gebeten hatte. Nun gut,, wenn er schon mal da sei, wünsche er alles Gute. Dann der Brüller: „Ich sage nicht, der Bessere soll gewinnen. Manchmal muss man betrügen, man darf sich nur nicht erwischen und vom Platz stellen lassen.“ Eine würdige Ansprache, die erahnen lässt, was man Profis vor einem Spiel als Trainer so sagt. Das Finale wird mit einem unfairen Exemplar des „Teamgeist“ gespielt, weil unsere fairen Bälle nicht mehr aufzufinden sind. Das Spiel ist wie die meisten Finale bei solchen Turnieren. Ehrgeizig, auf hohem technischen Niveau. Immerhin wird jede unfaire Aktion mit Buhrufen des Publikums quittiert. Partysahne gewinnt nach Elfmeterschießen. Danach trudelt auch ein HNA-Fotograf ein, der die Siegermannschaft unbedingt mit Pokal ablichten will. Kriegt er (und Partysahne) aber nicht, weil es den erst am Ende der Siegerehrung geben wird, ganz wie sich das gehört. Auch Partysahne macht sich nicht zum Hampelmann, nur weil ein Lokalzeitungsvertreter das will. Der Trikottausch mit den BaskInnen wird nicht rückgängig gemacht und ohne Kinder gibt es kein Foto, ätsch! Im Zelt läuft danach das gerade fertig gewordenen Video aus Kolumbien, in denen sich die anwesenden (bzw. in der Zwischenzeit getöteten) Kids über ihren Alltag äußern. Man wusste zwar, dass sie aus harten Verhältnissen kommen, aber dies so hautnah vorgeführt zu bekommen, macht viele sichtlich betroffen. Bei allem Fußballhype ein starker und wichtiger Moment der BolzWM.
Pünktlich zum Anpfiff Italien/USA, das im Hintergrund ohne Ton läuft, wird die große Preisverleihung begonnen. „Tor, Tor, Tor“ hat es tatsächlich zur offiziellen BolzWM-Hymne geschafft. Neudi hat seinen zweiten umjubelten Auftritt, allerdings immer noch in Playback - das Lampenfieber verhinderte eine Liveperformance und damit auch den vom Hintergrundchor erwarteten bzw. befürchteten Auftritt der Dynamics. Steffen Krink führt durch den Abend, bedankt sich bei allen Helfern und holt vier Leute auf die Bühne. Schade, eigentlich hätten dort alle hingehört, die sich z.T. monatelang aufgerieben haben, um diese wundervolle Veranstaltung auf die Beine zu stellen und vor allem, die mit ihrem Engagement und Herzlichkeit dazu beitrugen, dass 10 Tage alles reibungslos in phantatsischer Laune über die Bühne ging. Deshalb seien hier nochmal (bei einigen weiß ich die Namen nicht mehr) wichtige Leute genannt: Die Thekenkräfte vom Uhlenspiegel haben zehn Tage einen großartigen Job gemacht. Immer gut gelaunt hatten sie auch ein Auge dafür, dass mal ein Beamer, der von uns vergessen worden war, abgebaut wurde und sprangen auch mal ein, wenn bei einem Team Spieler fehlten. Farik mit seinen Merguez-Würstchen (die ich bis zum nächsten Urlaub in Spanien sehr vermissen werde), der auch den Vizeweltmeister organisiert hatte. H.G. und seine Leute aus der Segelabteilung, Enzo und die Pizzacrew, die SpanierInnen, die in Wirklichkeit zum Großteil aus Armenien kommen, was man dem Essen aber nicht anmerkte und der stets Urlaubssehnsucht ausstrahlende Cocktailstand vom Barracuda - ihr alle wart großartig. Nie ging Essen und Trinken aus. Immer wurde gute Laune verstrahlt, genaz ganz große Leistung von den Caterern. Unermüdlich waren auch Freiwillige wie Ines, Simone, Tatjana, Rolf und weiter (Alt-)Dynamos, die sich am Kaffeestand aufrieben und sich für keinen Job zu schade waren. Lutz hat wie immer einen einwandfreien Job als Sound- und Lichttechniker gemacht. Dynamo-Lutz künstlerisch wertvolle Pokale gebastelt. Das Werbekollektiv P3 hat in Nachtschichten das Sonderheft fertig gemacht, Sponsoren besorgt, andauernd fotografiert, in letzter Minute die heißbegehrten Neudi-Plakate produziert und somit ihren Slogan mit der Leidenschaft eindrucksvoll bewahrheitet. Torsten hat sich immer widerstandslos CDs mit Photos von mir in die Hand drücken lassen und mein Tagebuch-Geseire online gestellt. Inka von der Caricatura hat die Sonneborn-Ausstellung mal so reproduziert. Beim Abbau kamen Leute von der GmbH frisch vom Trainingsplatz um zu helfen, nachdem einige von ihnen schon in den letzten Tagen ausgeholfen hatten. Auch die erste Mannschaft von Dynamo erschien zahlreich zum schweißtreibenden Abbau. Micha und sein Massageteam, ohne die z.B. Senile kickt aus Aachen am letzten Tag gar nicht mehr hätten antreten können, ließen ihre Hände sprechen. Das DRK bekam reichlich zu tun und war stets präsent, obwohl sich die Sanis nach eigener Aussage nur für Deutschland und sonst nicht weiter für Fußball interessieren. Dazu kamen Viele, die „Kleinigkeiten“ wie Kicker, Leihfahrräder oder das Kulturprogramm organisiert haben. Jetzt habe ich bestimmt noch zahlreiche HelferInnen vergessen, sorry, aber zeitweise war ich schlicht und einfach durch und werde wohl noch ein paar Tage brauchen, bis ich mich psychisch und körperlich erholt habe. Ohne die Vorgenannten hätte die BolzWM nicht zu dem werden können, was es war! Bevor ich jetzt aber pathetisch werde, weiter im Programm: Den letzten Platz belegte Pelmke Allstars, die zudem den Preis des fairsten Teams (sponsored by - wen wundert´s - den marodierenden Friedenstauben), die sich dem Letzter sein auf dem Platz, aber auch an der Theke als Mentailität verschrieben haben. Italia kommt auf die Bühne und prompt schießen ihre Profikollegen auf der Leinwand ein Tor. Danke an Totti und Co für diesen wunderbaren Beitrag zu unserer Siegerehrung. Lokomotive Glücksbier wird die erneute, kollektive Anstimmung von „Kassel ist die schönste Stadt der Welt“ verweigert und stattdessen „Du hast die Haare schön“ intoniert. Die offizielle Nationalmannschaft des Baskenlandes besteigt gut vorbereitet die Bühne, verliest ihren Dank auf Deutsch und Englisch und verweist darauf, dass sie als gemischtgeschlechtliches Team zeigen wollten, dass auch für Frauen der Ball rund ist. Die nordafrikanischen Kasseler entschuldigen sich dafür, falls sie zu hart eingestiegen sein sollten, meines Wissens der erste Finalist bei einem Dynamoturnier, der das getan hat, obwohl es dazu meistens Anlass gegeben hätte und was ich sehr schön finde. Danach wird sich bei Steffen für seine Amtszeit als Dynamovorsitzender bedankt, aber wieder mal hier zeigt sich das Publikum nicht zur Pathetik bereit und findet auch seine Haare schön.
Partysahne steigt (natürlich mit Kindern) auf die Bühne. Ein würdiger Sieger, auch wenn wir uns in Kassel jetzt wohl vier Jahre lang eine lange Nase machen lassen müssen, weil sie gewonnen haben (am nächsten Morgen behauptet Hotte schon, dass er sich den Titel Bolzweltmeister auf seine Visitenkarten drucken lassen wird - na, das kann ja heiter werden). Ich überlege, ob ich auf die Einladung eines Partysahnen eingehen sollte, mal beim Training vorbei zu kommen - dann wäre auch ich Bolzweltmeister. Weiß aber nicht, ob ich das Risko eingehen will, dass jemand zerknirscht auf mich zukommt und mir mitteilt, nee du, also uns wär es lieber, du würdest weiter mit deinem eigenen Team auf dem Kleinfeld weiter machen. Also verwerfe ich den Gedanken wieder.
Die Party lässt keine Wünsche offen. Bond und Blond liefern bewährte Qualität bis morgens um sieben. Dann fragt Elmar (der 1986 bei der ersten BolzWM noch selbst auf dem Platz gestanden hatte) von der Theke vorsichtig an, ob man jetzt auch mal gehen dürfe. War ihm wirklich unangenehm und so versicherte er, dass man das letzte Bierfass ohne Thekenkräfte leermachen dürfe. Ich komme aus dem Danken für die leidenschaftlichen BarkeeperInnen nicht mehr raus, muss dann aber auch ins Bett. VertreterInnen folgender Teams meine ich kurz vor Sendeschluss noch ausmachen zu können: Baskenland, Union Street Oxford, Partysahne, Dynamo Windrad, Söhne der Mutter, Pelmke Allstars und Schwarze Pumpe aus Göttingen. Auf dem Weg zum Zelt klatsche ich mich mit Claus ab, für den der letzte Tag gerade - wie immer mit Kaffee kochen - anfängt.

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Freitag, 16.06.
Der Morgen beginnt für mich mit der Spülmaschine, die sich weigert, Wasser in sich rein zu lassen. Verzweifelt werden Hähne auf und zu gedreht (ganz verhängnisvolle Aktion, wie sich noch rausstellen soll), fehlendem Wechselgeld und Geschirrbergen. Ich werde von Verena abgelöst, als die Maschine ihren Geist völlig aufgibt, weil ich mir fest vorgenommen habe, alle Spiele von Dynamo Windrad aktiv mitzumachen. Wir verlieren in der „Kasseler-Gruppe“ mit zwei zu null gegen Partysahne - meine persönliche Torflaute hält also an. Am Vormittag findet auf dem Gelände ein Uniseminar des Fachbereichs Politik zu Fußball und Globalisierung statt. Wenn das mal nicht interdisziplinäres Studieren ist.
Nach dem Spiel gebe ich einem Reporter ein Interview, was hoffentlich nicht genauso dämlich war, wie das, was man im Fernsehen immer erleiden muss, wenn durchschwitzte Fußballer maximal Worthülsen von sich geben. Er ist noch am Team aus Kolumbien interessiert, muss aber warten bis er dran ist, weil sich unsere hochgeschätzte Lokalzeitung dann doch mal eingefunden hat, um der BolzWM Beachtung zu schenken. Na, jetzt haben sie ihre Exoten ja gefunden. Für die Spülmaschine musste ein Mechaniker gerufen werden, der sich - nachdem er die Elektronik auseinandergenommen hatte - veräppelt fühlte. Ich hatte einen Wasserhahn zuviel zugedreht, was die arme Maschine streiken ließ.
Ich verliere mit Dynamo gegen Schwarze Pumpe drei zu null - wieder kein Tor, obwohl wenn ich gestern abend glimpflich davongekommen bin. Einer ihrer Stürmer spielt im wirklichen Leben bei Dynamo, setzt aber aus. Im Nachhinein hat er behauptet, gearbeitet zu haben, was ich aber unrealistisch finde, weil er das Spiel davor und danach wieder am Start war. Ben aus England (der mit dem Kreuzbandriss), langweilt sich nach eigener Aussage beim Zuschauen, weil sein Team ohne ihn so schlecht spielt. Die argentinische Mannschaft besteht heute nur aus zwei Argentiniern, der Rest ist beim Spiel ihrer Kollegen in Gelsenkirchen. Die Friedenstauben werden heute durch Rumänen verstärkt, was zwei Unentschieden brachte. Apropos: Im zweiten Kasseler Stadtderby zwischen Dynamo und Söhne der Mutter gibt es ein Null zu Null. Das freut uns nicht nur deswegen, weil wir uns in den nächsten Tagen keine dummen Sprüche anhören müssen, sondern auch , weil wir von der Mutter vor dem Anstoß als Geschenk eine Serviette mit dem Spruch „It´s no shame to loose against Söhne der Mutter“ bekommen. Ich werde von meinem Dynamoheft-Arbeitskollegen Jörg ganz mies gefoult, auch wenn alle Umstehenden behaupten, es wäre kein Foul gewesen. Unnötig zu erwähnen, dass ich wieder kein Tor geschossen habe, obwohl ich offensiv aufgestellt werde. Immerhin erste Torchance von Dynamo am heutigen Tag versemmelt.
Niederlande gegen Elfenbeinküste ist endlich mal wieder ein gutes Spiel der anderen WM. Ich kann endlich meinen oranjen Wehrmachtshelm unbeschwert tragen, der zuvor immer wieder für Irritationen (z.B. bei einem italienischen Genossen) gesorgt hatte. Danach schlägt, oh Wunder, endlich mal eine Lesung beim Publikum voll ein. Marin Sonneborn berichtet, wie die Titanic die WM nach Deutschland geholt hat. Vor allem die Beschimpfungen von BILD-Lesern, die Martin „ganz zufällig aufgenommen“ hatte, führen zu herzhaftem Gelächter im vollen Festzelt: „In einem Rechtsstaat gehören Leute wie sie ins KZ“ oder: „Man sollte sie auswandern“. Auch Sepp Blatter ließ ausrichten, dass er nicht so gerne als korruptester Mensch der Welt bezeichnet werden will, was in Martins Lesung süffisant immer wieder erwähnt wird. Danach mache ich mich vom Acker, nicht nur weil ich endlich mal wieder dieses weblog aktualisieren muss, sondern auch, um mal zwischenzeitlich ein Mütze voll Schlaf zu nehmen. Die Nachhausefahrt wird zu einem völlig surrealen Erlebnis: Es gibt doch tatsächlich eine Welt außerhalb der BolzWM. Hätt ich nicht gedacht.
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Donnerstag, 15.06. Anstoss zur Bolz-WM'06
Fast pünktlich ertönen auf vier Spielfeldern die Anpfiffe zur BolzWM. Einzelne Partien müssen verschoben werden, weil einige Teams noch nicht vollzählig eingetroffen sind. Andere Teams bleiben unterbesetzt, was kein Problem ist, weil sich genügend Spielwillige finden, die anscheinend drei Tage durchzocken wollen. Ich helfe neben der ganzen Checkerei bei den marodierenden Friedenstauben aus Iserlohn aus, die nur zu sechst eingetroffen sind und behaupten, sie würden im Zweifelsfall alle Andreas heißen. Wir verlieren gegen StahlEisen aus Bremen, die anscheinend nur aus Halbprofis bestehen und uns keine Chance lassen. Egal, es geht um den Spaß an der Freude. Die Spiele der anderen WM sind durchgängig öde, dabei waren eigentlich alle zu allem anfeuerungsmäßig bereit.
Neben StahlEisen scheinen vor allem die Basken zu überzeugen, wenn auch ihre Stürmerinnen häufig im Abseits stehen. Ein Team aus Italien wird durch krasse Schirifehlleistungen benachteiligt, was an die letzte andere WM in Ostasien erinnert und genauso beklagt wird wie damals, wobei ich noch nichts davon mitbekommen habe, dass Panini deshalb mit der Einstellung des Bildchen-nachschubs droht. Das Kulturprogramm bietet das gewohnt traurige Bild: Selbst die sonst verlässlich für Stimmung sorgenden Blech und Schwefel werden nur mit Mini-Publikum gewürdigt. Beim Kabarettisten Gerald Wolf finden sich keine 30 Leute ein, wobei zunächst unklar war, ob sie einfach aus Bequemlichkeit im Zelt sitzen geblieben waren oder tatsächlich das Programm sehen wollen. Gerald fragt in der ersten Reihe nach und ja, man ist gewillt, ihm zuzuhören. Er zieht seine Performance tapfer durch und muss Zugabe geben, weil die 30 anwesenden Peoples ihren Spaß bei seiner Mischung aus Satire und kabarettistischen Songs haben. Schade, er hatte ein größeres Publikum verdient. Da haben es die Wohnraumhelden leichter. Sie treten später auf und sind - weil Band - lauter. Aber was rede ich von Wohnraumhelden. Sie hatten eine Vorband mitgebracht - die Weltraumhelden und spielten ihre Vorband einfach selbst. Zwischenzeitlich kommen ein paar von den Kolumbianern auf die Bühne und jammen mit den - ich vermute - Weltraumhelden. Die Wohnraumhelden spielen sich dann in die Herzen der immer mehr werdenden ZuschauerInnen. Dann gibt es Torte und Ständchen weil der Bassist Geburtstag hat. Sehr nette Leute, die auch am Cocktailstand beim Small talk eine gute Figur machen. Parallel wird im kleinen Zelt der schon am Montag vorgesehene Dokumentarfilm „The other final“ als Spätvorstellung gezeigt. Ganz kruz die Story. Nachdem die Niederländer sich nicht für die WM 2002 qualifiziert hatten, fanden ein paar Fans Geschmack am Verlieren und organisierten ein Match zwischen den beiden Letzten der Fifa-Weltrangliste: Montserrat (eine Karibikinsel) gegen Buthan (das ist im Himalaya) trafen dann am Endspieltag der anderen WM in Japan in Buthan statt. Eine Partie, die auch gut auf die BolzWM gepasst hätte. Lauschige Runde im kleinen Zelt, die mit dem Film ihren Spaß hat. Um 1.00 Uhr gibt es dann nichts mehr zu trinken. Einige Glückliche können den Tresenkräften noch Jägermeister bzw. Apfelwein abschwatzen, aber dann ist auch wirklich Schluss. Der erste Spieltag sowie die z.T. lange Anreise ist den Leuten anzumerken bzw. eben nicht mehr, weil fast alle im Bett sind. Ich versacke im Camp der Schwarzen Pumpe aus Göttingen, die mir nicht nur voller Stolz ihr multimediales Maskottchen (ein Spielzeugpolizeiauto), sondern auch ein schnarchendes Zelt vorführen. Desweiteren soll ich auf ihr Drängen und tatkräftige Unterstützung möglichst unnüchtern ins Bett gehen, weil ich mich als einer der Gegner des kommenden Tages geoutet habe. Ganz gewitzte Strategie von den Südniedersachsen! Einsetzender Regen verhindert aber ihren hinterhältigen Plan und treibt uns alle in die Zelte.


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Mittwoch, 14.06. Oase-Kinderfussballtunier und WM-Auslosung
Langsam verliere ich den Ueberblick (sorry, ich schreibe auf einem spanischsprachigen Laptop, deswegen gibt es nur ue und kein scharfes s). Zuviele Aktivitaeten laufen parallel, ich versuche trotzdem, alles was mir bekannt wurde, aufzuschreiben. Also: Die Englaender machen einen archtitektonischen Stadtrundgang und sind von der Schoenheit Kassels begeistert. Die RumaenInnen schauen sich das VW-Werk und anschliessend einen Zoo an (ja, da gibt es Unterschiede!). Die KolumbianerInnen besuchen eine Berufsschule und aquirieren gleichmal zwei SpielerInnen fuer ihr Team. Ich ziehe mit Sack und Pack auf die Waldauer Wiesen um und finde ein huebsches Schattenplaetzchen. Die Soehne der Mutter machen es sich noch komfortabler und bauen einen swimmingpool auf. Es trudeln weiter Absagen ein, letztendlich nehmen 27 Teams an der BolzWM teil. Haette es nicht am vorletzten Wochenende die DAM gegeben, und waren gewisse offizielle Stellen etwas kooperativer gewesen, haetten wir die 32 sicher voll bekommen. Egal, 27 ist super! Ich habe seit langer Zeit mal wieder ein Handy, damit ich Pressebeauftragter spielen kann. Mein erster offizieller Anruf ist von einem HNA-Redakteur, der mich anscheisst, was uns einfallen wuerde, so eine unfreundliche mail zu schreiben. Ich weiss nicht wovon er redet. Aber es stellt sich schnell heraus, dass jemand die uebliche Sosse a la „Golfclub spendet Trikots“, „Metzger macht WM-Hackfleisch fuer guten Zweck“ auf den Zeiger ging und er mal was ueber die BolzWM in Kassels einziger Zeitung lesen will. Die BolzWM kommt in der regionalen Berichterstattung bisher so gut wie gar nicht vor, als ob in Kassel regelmaessig 400 Menschen aus aller Welt eine 10 taegige Sause feiern. Nagut, wir machen es ja auch nicht deswegen, um die Qualitaet der Lokalzeitung zu heben. Jedenfalls wird zum wiederholten Male der Wille bekundet, einen Fotomenschen vorbeizuschicken, damit dieser ein paar Exoten aufnimmt. Schade, da hat jemand nicht kapiert, worum es uns bei dieser Veranstaltung geht, bzw. haelt seine Leserschaft fuer sehr einfach gestrickt. Warten wir es ab, ob mal was Vernuenftiges in der Zeitung steht.
Am Oaseturnier nehmen 25 Kinderhortteams teil. Die Wiese ist fuer einen Nachmittag fest in Kinderhand. Grossartige Stimmung, aber auch hier und da Traenen ob saftiger Niederlagen. Ich bin Schiri, was mir ausnahmsweise Spass macht, bis zu dem Punkt, an dem uebermotivierte Erzieher und Eltern nicht einsehen wollen, dass man ihren Kids erklaert, dass mit dem Schiri nicht gemeckert wird. Haette ich rote Karten dabei gehabt – ich haette sie fuer einige Erwachsene gezogen. Aber damtit kein falscher Eindruck entsteht: Begeisternde Spiele, so gut wie null Fouls, einfach schoen. Die Siegerehrung verlaeuft sehr stimmungsvoll, Claus wird sentimental, da geht einem doch das Herz auf, angesichts gluecklicher Kinder.
Uebrigens war es auch ein Kind, das unsere Auslosung am Abend rettete. Und das klam so: Wie es sich fuer eine WM gehoert, sollte unsere Auslosung heute Abend mit Lostrommel und Pipapo stattfinden. UE-Eier sollten als Behaeltnisse fuer die Lose dienen. Woran niemand gedacht hatte: Im Juni machen Ferero und alle Plagiate Pause. Verena fragt zwei Kinder, wer denn mehr UE-Eier habe und siehe da, ein Maedchen hat ueber 30, „aber nur leere“, zuhause rumliegen. Geht doch! Kurz danach schneit ein Mensch von der Asta-Fahrradwerksatt an der Uni herein. Er bringe drei Fahrraeder, morgen kommen nochzwei, die wir an unsere Gaetse ausleihen koennen. So hatte ich mir das ja ehrlich gesagt vorgestellt: Man stellt was auf die Beine, woran Andere teilnehmen, sich einbringen oder es einfach unterstuetzen wollen.
Das Gelaende und der der Zeltplatz werden immer voller. Fast alle Teams kommen im Laufe des Tages an. Zum Deutschlandspiel ist das Festzelt voll. Ich verbringe das Spiel etwas abseits vom Trubel in der Spuelhoelle, mit Fernseher am Bratwurststand. In der Halbzeit gesellt sich einer zu uns, der genervt ist von der Stimmung im Zelt: „Da drin geht’s zu wie auf einem CDU-Parteitag.“ Sehr alternativ klingt es von draussen tatsaechlich nicht. In der Halbzeitpause gibt es die Weltpremiere von Neudis Dynamo-WM-Song; leider nur als Playback vorgetragen, bis Samstag muss das live sitzen! Der Sieg der deutschen Mannschaft (mir egal, ob zig Millionen hierzuland behaupten, „wir“ haetten gewonnen – ich hab nur 11 Spieler auf dem Platz gesehen) wird frenetisch gefeiert, aber nicht lange, denn danach steht eh Wichtigeres an: Die BolzWM wird durch unseren Presidente feierlich eroeffnet und die Auslosung der Vorrunde (mit 27 UE- Eiern!) vorgenommen. Das erste Team, das gezogen wird, ist prompt Argentinien und das Zelt erbebt unter „Argentina“-Rufen. Jedes Team wird mit passendem Song auf die Buehne geholt und soll was sagen. Die Stimmung ist super. Oxford erscheint in Froschlaetzchen und Roecken, die Basken legen Wert auf die Feststellung, keine Spanier zu sein, Grubi prophezeit die grossartigste BolzWM aller Zeiten und StahlEisen Bremen stimmt die vermutlich inoffizielle BolzWM-Hymne an: „Kassel ist die schoenste Stadt der Welt“ (das waer doch auch mal was fuer die HNA, hoert man schliesslich nicht so oft). Nach der offiziellen Zeremonie beginnt die Verbruederung, das Singen geht weiter, aber viele sind auch kaputt von der Anreise. Ich treffe endlich Ben, der ueber drei Monate ein weblog fuehrte, nachdem er einen Kreuzbandriss erlitten hatte. So konnte die ganze Welt an Drama und Hoffnung teilhaben – alles unter der Frage: Werde ich rechtzeitig zur BolzWM fit sein? Um es gleich zu sagen: Er ist es nicht und muss sich auf ein Supporter-Schicksal beschraenken. Aber er ist da, ueberfluessig zu erwaehnen, dass er ein ganz Netter ist. Apropos, ploetzlich erschallt es im Gewimmel: Vogel?! Ein Name, mit dem ich seit der Schulzeit als Anrede nichts mehr zu tun hatte. Was soll ich sagen, es ist jemand aus meiner Schulzeit, den ich seitdem auch nicht mehr gesehen habe. Grosses Hallo, was machst du hier? Ist ja der Knueller usw. Waehrend es mich von Mainz ueber Berlin nach Kassel verschlagen hat, ist er Langzeitstudent in Aachen und Mitglied bei „Senile Kickt“ geworden. Doch natuerlich bin ich nicht der Einzige, der alte Bekannte trifft, ueberall wird sich in die Arme gefallen, man kennt sich bzw. lernt sich kennen. Alle freuen sich auf das Wochenende, aber ich kann nicht mehr und muss endlich mal ins Zelt. DerSlogan des Tages habe ich uebrigens auf den Shirts gelesen, die sich die ItalienerInnen gemacht haben: BolzWM 2006 - Un altro calcio e possibile! Auf jeden Fall! ¡Hasta mañana!






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Dienstag, 13.06. Fußball Fun Contest für Jugendliche
Wie habe ich eines der Highlights von gestern vergessen können? Pawel, seines Zeichens fürs Frühstück zuständig und seit Tagen von nichts anderem redend als dem ersten Spiel seiner Tschechen, erklomm gegen Mitternacht die Bühne und führte eine geschmeidige Tanzperformance vor den letzten im großen Festzelt ausharrenden Gästen auf. Erotisch schlängelnd mit nach chinesischen Entspannungssport aussehenden Bewegungen war er mit sich und der Welt zufrieden. Der Kopfstand klappte nicht ganz, was aber niemanden störte: Die Zuschauer dankten es ihm mit ungläubigem Applaus. Heute begann der Tag dann natürlich mit Fußball, aber anders. Ich habe mich bereit erklärt, mit dem Jugendteam aus Rumänien und deutschen Jugendlichen einen Workshop zum Thema Rassismus und Fußball durchzuführen. Nur nette Leute, außer dem Busfahrer. Der meldet sich direkt nach der Begrüßung zu Wort und meint, in Rumänien gäbe es keinen Rassismus. Das ist nicht nur eine gewagte Aussage, sondern wird auch sofort dadurch widerlegt, dass die Kids eifrig anfangen, Beispiele zu notieren. Zur Pause wird Pizza vom BolzWM Pizzabäcker geliefert. Nach drei Stunden werden sie unruhig - wird denn heute gar kein Fußball gespielt? Doch, nur keine Panik, ihr dürft. Aber trotz mangelnder körperlicher Aktivität sind die Kids bei der Sache und es wird eine anregende Veranstaltung mit vielen Beispielen aus Rumänien, Deutschland und Afrika. Irgendwie scheint es Rassismus überall zu geben, andererseits hat man in den nächsten Tagen die Gelegenheit, Menschen aus der halben Welt zu treffen und sich selbst ein Bild zu machen . Morgen geht´s zur Werksbesichtigung bei VW, gestern war Sommerrodeln und heute Abend ins Spot - denen wird richtig was geboten. Als ich gegen Nachmittag auf dem Gelände eintreffe, ist ein Jugendzentrumsturnier in vollem Gange: Erst kicken, dann Fußballquiz und Kickern. Durch Anlaufschwierigkeiten, z.B. die 1,5-stündige Verspätung des DJs wegen zu großem Verkehrsaufkommen in der Kasseler Innenstadt (keine Ahnung, ob das stimmen kann, war seit Tagen nicht mehr da) lässt sich niemand aus der Ruhe bringen. Die Stimmung ist lustig. Fairplay überhaupt kein Problem. Acht Teams aus Deutschland und Rumänien haben in erster Linie Spaß, die Veranstalter sind begeistert. Die Siegerehrung ist kurz, aber herzlich, man sieht den Teinehmenden den schönen Tag förmlich ins Gesicht geschrieben. Gewonnen hat, wenn mich nicht alles täuscht, ein Team der Jugendräume Wehlheiden, knapp vor Waldau mit einem Punkt Vorsprung (fragt mich nicht, nach der Berechnungsgrundlage, hab doch diese Woche Rechenschwierigkeiten).
Weitere Freundschaftsmatches mit Fuß- und Volleyball werden ausgetragen, z.B. Dynamo gegen Baskenland. Letztere haben ihr Zelt und die Umgebung mit Transparenten und Regionalstaatsflaggen verschönert. Die Engländer scheinen ihre schon vor Wochen im Internet getätigte Ankündigung, den Deutschen Kricket beizubringen wahrmachen zu wollen und haben ihre Rackets mitgebracht. Die Firma Westermann Gerüstbau, die anscheinend jegliche wirtschaftlichen Kalkulationen über Bord geworfen hat und alles, was auf dem Betriebshof nicht niet- und nagelfest war, auf den Waldauer Wiesen verbaut hat, feiert ein kleines Betriebsfest. Sorgen macht sich der Chef nur, dass einzelne Mitarbeiter anscheinend nicht mehr nach hause wollen und am nächsten Tag vielleicht nicht die gewünschte Arbeitsfähigkeit aufweisen können. Ein Mitarbeiter hatte sich schon am Sonntag einen leichten Sonnenstich geholt, nachdem er 7 Stunden am Stück als Schiedsrichter fungiert hatte. Hoffe, wir müssen keine Sammelaktion im Anschluss an die WM starten, weil die Veranstaltung die Firma wirtschaftlich und personell ruiniert hat.
Ein Stockentenpärchen hat sich auch auf die Reise gemacht und nimmt an der BolzWM teil, watschelt seit Tagen über die Wiese, macht Abstecher ins Festzelt, nur an der Getränketheke wurden sie noch nicht gesehen, haben vermutlich eigenen Proviant mitgebracht. Die ersten oranjen Wehrmachtshelme (die der holländische Hersteller nicht mehr vertreiben darf, weil sich die Deutschen an ungute Zeiten erinnert und somit provoziert werden könnten) sind aufgetaucht, leider ohne „Hup Holland Hup“- Aufkleber, „Jetzt geht´s losssss“ auf der niederländischen Trikolore muss es auch tun. Claus kann sich ein Leben in der Außenwelt kaum noch vorstellen. Er fühle sich zeitlos und ist sicher, auf dem Gelände geboren worden zu sein. Ein hübsches Zwischenfazit, das auch nicht durch zwei Absagen deutscher Teams geschmälert wird. 28 Mannschaften werden ab Donnerstag den wahren Weltmeister unter sich ausspielen. Favoriten sind nicht in Sicht, was daran liegt, dass gerade die nicht einzuschätzenden ausländischen Teams größtenteils noch nicht (vollständig) da sind. Die andere WM verbreitet Langeweile. Frankreich/Schweiz ist zum abgewöhnen und angesichts uninspirierter Brasilianer kippt die Stimmung im gut gefüllten Zelt in Richtung Kroatien. Um zwölf gibt es einen Geburtstag zu feiern, von dem ich aber erst morgen berichten kann. Bin zu kaputt. Sorgen bereitet noch die Tatsache, dass es keine Internetverbindung gibt und ich ab morgen komplett auf die Wiesen umziehe. Kein Problem, ein Anwohner erklärt sich bereit, mich in den nächsten Tagen in seine Wohnung zu lassen, damit dieses weblog stets aktualisiert werden kann. Schauen sie also auch morgen wieder rein, wenn es heißt: Mehr Welt zu Gast auf dem Bolzplatz.


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Montag, 13.06.
Der große Trubel ist erst mal vorbei. Der Morgen ist entspannt wie lange nicht mehr. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen und die nächsten notwendigen Schritte zu planen. Wie gesagt, die Bolzmasters waren nur Generalprobe. Das große Finale steht erst ab Mittwoch Abend an. Während der konzentrierten Besprechung taucht ein Mensch auf und fordert den Wasserschlauch der Spülhölle zurück. Wo kriegt man jetzt einen neuen her? Wird schon irgendwie klappen. Bei aller Euphorie angesichts des letzten Wochenendes macht man sich ein bisschen Sorgen, dass zuwenig HelferInnen in den nächsten Tagen kommen könnten. Andererseits werden die ersten verdienten HelferInnen, das heißt solche Menschen, die noch nicht mal Dynamomitglied sind und sich trotzdem vorbildlich engagiert haben, notiert. Zum ersten Mal seit Tagen fahre ich mittags mal ausnahmsweise nach Hause, um, na was wohl, Fußball im Fernsehen zu schauen. Dann aber wieder zurück auf den Platz, wo ein weiteres Fußballturnier stattfindet. Eingeladen waren alle Mannschaften, die die Waldauer Wiesen als Trainingsgelände nutzen. Das Motto lautet Fair (bzw. FARE - also Football against racism in Europe, angelehnt an eine Aktion, die wir vor zwei Jahren mit den „ethnischen“ Kasseler Vereinen durchgeführt hatten). Fairplay wird hier ausnahmsweise klein geschrieben. Die Spiele laufen ab, wie das wohl meistens in der Kreisliga so ist: hart, mit Beschimpfungen und Drohungen. Das ändert sich aber sofort, sobald der Abpfiff kommt, da sind dann alle nett zueinander - seltsam. Ein Aktiver erklärt das so: „Außerhalb des Feldes sind wir alle freundlich, aber sobald ein Ball ins Spiel kommt, ist das vorbei, da können wir nicht anders.“ Na, zur Belohnung gibt es Fairplay-Shirts, vielleicht bringt´s ja was. Das kulturelle Rahmenprogramm, bestehend aus einem Dokumentarfilm ist traditionell schwach besucht, das hat anscheinend vor Donnerstag keinen Sinn, was anzubieten.
Heute ist auch der Tag der Ankunft: Die Engländer machen ihrem Ruf alle Ehre und stürzen sich aus dem Wagen direkt zur Theke. Welcome! Eine Vorhut der ArgentinierInnen erscheint mit Kleinkind. Der Zeltplatz füllt sich und schon beginnen die ersten Matches mit gemischten Mannschaften aus Rumänien, Kolumbien, Argentinien, Deutschland und England. Ein erster Vorgeschmack auf das lange Wochenende. Die Basken schaffen es nur bis Treysa und müssen noch am späten Abend abgeholt werden. Henning kommt direkt aus dem Stadion, wo er Australien gesehen hatte und muss gleich wieder ins Auto nach Treysa steigen. Gegen 0.30 Uhr sind dann auch die ersten Basken da. 20 Kollegas haben sich angemeldet, von denen zehn nun eingetroffen sind. Die Spannung steigt.


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Sonntag, 11.06.
Am morgen erscheinen „nur“ noch 48 Teams. Ein scheinbar zwielichtiger Mann lockt mich lächelnd in eine Umkleidekabine. Es stellt sich heraus, dass Christoph ein professioneller Fotograf ist, der die Dynamo-Umkleidekabine in ein Fotostudio verwandelt hat, um im Laufe der BolzWM Portraitaufnahmen von SpielerInnen zu machen (man muss aber fertig aussehen, was bei der Hitze kein Problem sein sollte). Tag zwei der Bolzmasters verläuft wie der erste. Entspannte Stimmung, gute Laune und Fairplay. Die bisher fast beschäftigungslosen Sanis vom roten Kreuz bekommen leider zwischenzeitlich zu tun: Der Krankenwagen muss vier mal abfahren und bringt Verletzte ins Krankenhaus - hoffentlich nichts Schlimmes. Ansonsten zeigen sich die ersten schlimmen Sonnenbrände. Man kann gar nicht abschätzen, wie viele KickerInnen die Bolzmasters mit Hohn und Spott bzw. besorgten Blicken ihrer ArbeitskollegInnen ab Montag bezahlen. Die Männershirts der BolzWM sind schon mittags ausverkauft. Ab Mittwoch gibt es Nachschub - versprochen. Die Spülküche funktioniert einigermaßen, aber Probleme gibt es bei der Fernsehübertragung. Da Nordhessen anscheinend kein Markt für digitales Privatfernsehen bietet und Sonntags RTL alle Spiele überträgt, müssen diverse Satellitenschüsseln organisiert werden. Erst um 21.00 Uhr läuft das Bild flimmerfrei über die Großleinwand.
Das Turnier nimmt seinen Lauf, nur wenige Mannschaften reisen vorzeitig ab. Das Finale meiner Mannschaft wird ohne Schiri per Siebenmeterschießen ausgetragen. Ich vergebe zwei und wir werden 28. (oder so). zusätzlich darf ich am Spiel um Platz 13 mitwirken, versemmele zwei hundertprozentige und schließe das Turnier mit null Toren und circa 50 vergebenen Chancen, aber weniger Rückenschmerzen ab. Andere Mannschaften wärmen sich lieber 20 Minuten lang auf, anstatt sich selber Schiris zu besorgen bzw. ohne einen zu spielen. Leute, was war da mit euch los? Hättet ihr euch doch ein Beispiel an der Runde der (aller-) letzten Acht genommen, die brauchten keine Referees und so standen auch mal 6 FeldspielerInnen, darunter mehrere Kinder, auf dem Platz. Das Endspiel bestreiten Marokko gegen die Allgemeine Sprachverwirrung (ein Omen für die Erfolgschancen der deutschen Mannschaft bei der anderen WM?)). Nur kurz droht überehrgeizige Hackerei, insgesamt wird aber Fußball vom Feinsten geboten, gefeiert mit einer La Ola, die mehrfach ums Spielfeld kreist. So eine Stimmung hat man bei den Bolzmasters noch nie gesehen. Die Euphorie zeigt sich auch bei der anschließenden Siegerehrung. Der 48. und damit letzte Platz der Bolzköppe wird orkanartig gefeiert. Die GmBH (Gehen mit Ball Hegelsberg) feiert ihren 8. Platz (sensationell!) mit einem CanCan auf der Bühne, eine Mannschaft muss nochmal die Raupe machen - herrliche Szenen (allein für die abschließende Siegerehrung sollte man in Zukunft ein großes Festzelt aufbauen). Die Nummer 1 (die Sprachverwirrer), räumt zum dritten Mal in vier Jahren ab und fordert, das Bolzmasters ab jetzt jedes Jahr zweitägig auszurichten. Gerne, wenn ihr mithelft. Danach lösen sich die versammelten Hundertschaften auf. Zurück bleiben die Teams, die in den nächsten Tagen wieder gefordert sind, sowie einige Verstreute, die anscheinend nicht mehr nachhause wollen. Einen Kabinen-Diebstahl gab es auch (Höchststrafe für so eine Scheiße!), sieht man davon ab, dass sich nach den Spielen z.T. überhaupt nicht mehr darum gekümmert wurde, wem welcher Wasserkasten gehört, das ist aber klassischer Mundraub und somit nicht weiter verwerflich. Aus Sicht der (ziemlich fertigen, aber glücklichen) OrganisatorInnen war das Bolzmasters die gelungenste Generalprobe für die WM ab Mittwoch, die man sich vorstellen kann. Auch die Teilnehmenden waren voll des Lobes „für das schönste Bolzmasters bzw. Freizeitturnier, das es jemals gab“. Wenn das so weiter geht, dann werden am Wochenende die Waldauer Wiesen schlicht und einfach vor Begeisterung explodieren!


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Samstag, 10.06. - Endlich wird selbst Fußball gespielt.
In Allerherrgottsfrühe trudeln die Mannschaften nach und nach ein. Letztendlich sind 58 Teams aus ganz Deutschland, desweiteren aus Kolumbien und Rumänien am Start. Ca. 600 Frauen und Männer passen, schießen (vorbei und mittenrein), jubeln, verzweifeln - kurz die ganze Bandbreite, die Fußball zu bieten hat, wird den ganzen Tag durchlebt. Vor allem aber scheinen die meisten großen Spaß zu haben. Promis sind nicht da, niemand bzw. alle stehen im Mittelpunkt. Wir sind letztendlich doch froh, dass wir von der Landesregierung keine Unterstützung bekommen haben. Sonst hätten wir Roland Koch für sein Grußwort noch ausladen müssen, weil das Team aus Ghana keine Einreisegenehmigung bekommen hat, obwohl es eine Finanzierung für die Flüge hätte auftreiben können. Ein schönes Beispiel dafür, welche Welt gemeint ist, die hier angeblich zu Gast ist und wer bitteschön zuhause zu bleiben hat . Irgendwie ist die Altwassertonne in der Nacht umgestürzt und mittels Eimer muss eine Grube entwässert werden. Beim Frühstück werden Panini-Bildchen getauscht, ein Glücklicher kann die holländische Mannschaft in seinem Album komplettieren - könnte ein Tag besser anfangen? Noch immer ungläubig bestaunt, zieht ein weiterer Sommertag auf. „Ferien“ ist wohl das am meisten benutzte Wort des Tages, wenn man von dem F-Wort absieht. Mit leichter Verzögerung beginnt um 9.45 Uhr das Turnier. Auf neun Kleinfeldplätzen finden zig Spiele (bin gerade nicht so gut in Rechnen: 9 Gruppen mit 6-7 Teams, wieviele Spiele sind das?) über 15 Minuten statt. Die Atmosphäre ist trotz aller leidenschaftlicher Kickerei entspannt. Grobe Fouls gibt es kaum zu sehen. Und wenn, dann wird sich sofort entschuldigt und gegenseitig aufgeholfen. Der ein oder andere hadert vermutlich aus reiner Gewohnheit mit einzelnen Schirientscheidungen. Die bunten Herren (mit und ohne Mütze, mit freiem Oberkörper oder mit Trikot) lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Das größte Bolzmasters, das ich persönlich erlebt habe, geht bisher reibungslos über die Bühne. Auffällig ist, dass mit jedem Jahr mehr und mehr Jugendteams mit SozialpädagogInnen teilnehmen. Gelebtes Fairplay als pädagogische Maßnahme - scheint zu funktionieren. Mein eigenes Team muss in letzter Minute zusammengebastelt werden, weil wir nur zu zweit sind. Partysahne geht es ähnlich und schon tritt spontan eine Spielgemeinschaft als Bukopartysahne an. Der erste Argentinier ist eingetroffen und wir begrüßen den technisch beschlagenen und entschlossenen (um nicht zu sagen eisenharten) Verteidiger in unseren Reihen. Wer welchen Platz belegt ist uns schnuppe, wir sind jedenfalls nicht in der Winnergruppe. Eine wilde Frauencombo zieht über den Platz und verlangt immer wieder Bier her!, obwohl sie das offensichtlich gar nicht mehr nötig haben. Apropos (nein, nicht Bier, sondern Frauen): Natürlich ist der Männeranteil auch dieses Mal hoch, aber erfreulicherwiese werden auch die gemischten Teams beim Bolzmasters zahlreicher und Machoscheiße hab ich nicht mitbekommen. Vielmehr glückliche (und erschöpfte) Gesichter jeglichen Geschlechts. Im letzten Spiel kann eigentlich niemand mehr stehen. Unser Gegner, eine sympathische Truppe aus Wiesbaden, hatte den ganzen Tag keinen Auswechselspieler (hättet ihr doch was gesagt!)und ist stehend k.o., gewinnen wir halt auch mal. Bei vielen Teams machen sich marode Knochen bemerkbar. Zu den Erkältungen von gestern gesellen sich diverseste Abnutzungserscheinungen mittelalterlicher Körper. Der Pizzabäcker erscheint schon Vormittags mit bandagiertem Fuß. Niemand wird jünger, anderseits sind meine Rückenschmerzen besser geworden seit ich vom Tor aufs Feld gewechselt bin. Der Turnierleiter leidet unter einer schlimmen Heuschnupfenattacke und wird wohl nächsten Sonntag, so wie andere aus dem Organisationsteam auch , sehr abgewrackt sein. Fernsehen wird natürlich auch geschaut. Bei England/Paraguay steh´ ich noch selber auf dem Platz, komme aber rechtzeitig zu TNT gegen Schweden. Die Sympathien im kleinen Zelt (im großen bereiten sich die Graveyardrocker auf ihren Auftritt vor) sind klar verteilt. Das Unentschieden für Trinidad und Tobago wird gefeiert. Danach rocken die Graveyardrocker weniger gruftig als vielmehr ramonig. Leider entschwindet wieder der größte Teil der Futbolistas auf die Wiese, in die Stadt oder sonstwohin. Macht nix, ab Montag kommen nur noch Leute, die in Kassel kein Zuhause haben und deswegen dazu verdammt sein werden, auf den Waldauer Wiesen ihre Party zu machen.
Unsere punkrockenden Vogelsbeger wollen gar nicht mehr von der Bühne runter, feiern sich selbst, das Publikum und verteilen Komplimente. Danach ein kurzer Auftritt des kolumbianischen Teams, die nicht nur kicken sondern auch tanzen und rappen können. Na, die müssen ab Donnerstag vor großem Publikum auf jeden Fall nochmal ran! Übrigens wird auf ausdrücklichen Wunsch der KolumbianerInnen kein Coca Cola auf der BolzWM ausgeschenkt, weil in den Betrieben des offiziellen WM-Sponsors in Kolumbien immer wieder Gewerkschafter umgebracht werden. Sowas boykottieren wir gerne!
Die Kabeltrommel, an der die Spülmaschine hängt, fällt alle 20 Sekunden aus. Das ist wirklich nervtötend (Boris nötigt mich, ständig 100 Meter zur blöden Kabeltrommel zu rennen und einen roten Knopf zu drücken, was eh nix bringt), aber machen kann man jetzt erstmal nichts mehr, schließlich fängt Argentinien/Elfenbeinküste an, da wollen weder Boris noch ich unsere Zeit bei der Kabeltrommel verbringen. Die Stimmung ist dem Spiel entsprechend großartig. Auch hier wird für den vermeintlichen Außenseiter gehalten. Das erste ungerechte Ergebnis der WM. Aber morgen geht´s ja weiter (Hup Holland Hup!). Die Übertragung endet mit dem inzwischen schon obligatorischen BolzWM-Trailer und einem neuen Video aus Argentinien, in dem sich das Team, obwohl es mehrheitlich noch gar nicht da ist, schon mal bei Dynamo dafür bedankt, das alles möglich gemacht zu haben. Na kommt erst mal alle her, dann werden wir sehen wer sich mehr freut!



Fr.09.06.2006 - Erster Tag / Start der BolzMasters
Unglaublich - die BolzWM hat angefangen. Die Rödelei hat ein Ende (naj, zumindest die Vorbereitungscheckerei). Der große Tag, auf den wir von Dynamo Windrad seit Monaten hingerödelt haben ist da! Vormittags ist das Büro zum ersten Mal seit Monaten verwaist. Verena hält die Stellung, irgendjemand muss ja noch das Telefon bedienen, um Fragen der morgen anreisenden Teams zu beantworten, die unvermeidliche Auskunft, wo Claus ist, zu geben und an diese und das zu denken. Immerhin ist sie noch gesund, während andere mit ihrer bei der DAM zugezogenen Erkältung kämpfen oder einen maladen Rücken haben. Henning hört irgendeinen schwarz-weiß-Schlager in ca. zehn Variationen, er scheint fest entschlossen, den Song zur Kulthymne der BolzWM zu machen. Letzte Einkäufe werden getätigt, die Waldauer Wiesen sehen nun endgültig so aus, als ob hier die nächsten zehn Tage tatsächlich das größte Turnier (ach was, heut sagt man ja EVENT!) stattfinden könnte, das Dynamo Windrad in seiner 24-jährigen Vereinsgeschichte jemals veranstaltet hat. Den ganzen Tag über herrscht geschäftiges Treiben, Essensstände und Getränketheke werden bestückt, die ersten Teams kommen an. Die Großleinwand für die Übertragung der anderen WM bereitet noch Sorgen - wird das Bild gut genug sein? Frühere Androhungen (wenn das nicht klappt, steig ich in den Flieger und ihr seht mich erstmal ein paar Monate nicht wieder) müssen nicht wahr gemacht werden: das Bild in der ausgefuchsten „Kassettendach“-Nische (warum das so heißt? - keine Ahnung) ist super. Während der Bundespräsi, eingerahmt vom Imperator und dem Kaiser so tut, als habe er die angemessenen Worte für ein historisches Ereignis, zum zillionsten Mal die Welt zu Gast bei rhabarber rhabarber, trudeln unsere FreundInnen und Freunde ein. Das Gelände wird bestaunt, großes Hallo, es kann losgehen. Das Festzelt ist gefüllt, 300 hundert (mehr als die optimistischsten Prognosen) ausgelassene Fans, aktive SpielerInnen und Dynamos fiebern nach Monaten hirnzerfressendem Werbebombardements dem Anpfiff des Eröffnungsspiels entgegen. Deutschtümelei ist nicht zu erkennen, einzelne Deutschlandflaggen oder schwarzrotgoldene Accessoires sind genauso am Start wie Brasilientrikots, eine Italienflagge am Pizzastand, kurz alles entspannt, wir sind schließlich auf einer WM. Natürlich werden die Tore der deutschen Mannschaft bejubelt, aber die Treffer von Costa Rica erfreuen ebenso eine nicht gerade geringe Minderheit des Auditoriums. 4:1 für Deutschland würde ich mal schätzen. Bei Abpfiff leert sich das Zelt sofort, es wird gekickt, gegessen, getrunken oder einfach in der Sonne rumgelegen. Sehr schöne Atmosphäre, nicht zuletzt deswegen, weil sich der hässliche Mai endgültig verabschiedet hat und es immer noch angenehm warm ist. Leider interessiert dadurch auch nur die Wenigsten das Grußwort von il (nicht el!) Presidente, der innerlich euphorisch, aber äußerlich souverän die BolzWM eröffnet. Auch die Darbietung des Kasseler Improvisationstheaters IMPROKS ist nur schwach besucht, dafür hatten die Leute, die dabei waren ihren Spaß u.a. mit ferngesteuerten SchauspierlerInnen (und wie war das jetzt eigentlich mit der Klobürste im Hals?). Der anschließende Sieg von Ekuador wird gefeiert, aber nicht zu laut, schließlich müssen wir wegen der Anwohner dieses Wochenende etwas leiser sein. Insgesamt schwankt die Atmosphäre zwischen einer stimmungsvollen und leidenschaftlichen Fußballübertragung und - wie soll man es ausdrücken - Erfüllung? Glück? Einfach schön halt. Alle sind gespannt, was die nächsten neun Tage bringen werden, mit über 50 Teams, die an den Bolzmasters teilnehmen und natürlich die eigentliche WM ab Mittwoch Abend, wenn alle ausländischen Mannschaften endlich, endlich angekommen sein werden, die Bands spielen, das Gelände voll sein wird. Der Beginn jedenfalls war optimal: zahlreiche Leute, alles rechtzeitig fertig, keine Pannen. Und hab ich eigentlich schon erwähnt, dass es schlicht unfassbar ist, dass die WM angefangen hat?!
 Do. 8.06. Olli beim Scheinwerfer montieren
 Do. 8.06. Lutz beim Scheinwerfer montieren
 Do.8.06. vl. Boris, unbekannt und Henning beim Biergarniturenaufbau
 Do.8.06. ... Tarik, Boris und ... beim Aufbau des Catering-Bereiches
 Do.8.06. Katrin und Frank beim Checken des Geschirrspühlers
 Do.8.06. Olli und Henning haben zwei unterschiedliche T-Shirts an
 Do.8.06. Olli, Torsten und Henning beim Aufbau der Bühnen-Beleuchtung
 Do.8.06. Lutz und Torsten beim Aufbau der Bühnen-Beleuchtung

Bilder vom Workshop Rassismus in Rumänien im Libre Kassel:





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